Wildnis und Wirklichkeit. Unsere Bilder von Tier und Natur - 26.01.2017

Bayern 2 (Podcast) 26.01.2017 21:03 Uhr, Dauer: 55:57

Sie sind die Indiana Jones und Lara Crofts der Wirklichkeit, sie schwimmen neben Walen, begleiten Wolfsrudel, tauchen unter Eisberge und hängen aus Hubschraubern. Tierfilmer sind Abenteurer und Entdecker in der Nachtschwärze der Tiefsee, in den Schneewüsten der Arktis, zwischen den Gräsern einer Wiese. Einige erzählen in diesem Feature von ihren Abenteuern im Bayerischen Wald, in der Beringsee und am Great Barrier Riff. Begegnungen mit der Natur. Dank digitaler Technik fliegt der Zuschauer heute mit Störchen über die Alpen, geht mit Robben auf Fischjagd, wandert durch ein Ameisennest. Für seinen Kino-Tierfilm „Nomaden der Lüfte“ ließ Jacques Perrin Graugänse und Kraniche schon als Küken trainieren, damit sie später ohne Scheu neben der Kamera über Meere und Halbwüsten zogen. Das Publikum soll sich fühlen wie ein Kranich unter Kranichen, eine Gans unter Gänsen, ein Schwan unter Schwänen. Es soll sich identifizieren, dem Tier näherkommen, Sehnsüchte und Emotionen auf das Tier projizieren. Dramaturgen erfinden „disneysierte“ Märchen um verlorene Gazellenkitze, über hungernde Löwenbabies und verliebte Braunbären, Kunstwesen mit menschlichen Zügen. Am Tierfilm lässt sich das veränderte Verhältnis des modernen Menschen zum Tier beispielhaft schildern: Hinter dem „medialen Tier“ verschwindet das „reale Tier“ - es wird gemogelt, zusammengeschnitten. Wie gehen Tierfilmer mit diesem Zwiespalt um? Während Tiere unserer Umgebung kaum noch als eigenständige Wesen wahrgenommen werden, wächst die Bewunderung für das wilde Tier, das seine Freiheit lebt. Was sagt dieser Blick auf die Tiere über uns aus? Spiegelt die wahrgenommene Natur den Wahrnehmenden nicht vor allem selbst? Vielleicht haben wir es mit einem Paradox zu tun: Das verfilmte, digitalisierte wilde Tier „lebt“ – aber nur auf dem Bildschirm und auf der Leinwand, Wüste und Wildnis bleiben abstrakte Kulisse – einer der Sehnsuchtsorte des zivilisierten Menschen.

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